Fahrradbekleidung · Ratgeber für Alltag und RadsportAlle Ratgeber
Fahrradhelme

Warum der Fahrradhelm nach einem Sturz weichen muss

Ein Fahrradhelm ist nur für einen einzigen starken Aufprall ausgelegt. Danach hat er seine Aufgabe erfüllt, auch wenn er außen unbeschädigt aussieht. Wer den Helm nach einem Sturz weiter trägt, riskiert bei einem zweiten Sturz zu wenig Schutz. Viele Radfahrer behalten den Helm, weil sie keine Risse oder Dellen sehen. Das ist ein Risiko, das sich vermeiden lässt.

Was beim Aufprall passiert

Ein moderner Fahrradhelm hat eine harte Außenschale und ein stoßdämpfendes Innenmaterial, meist aus expandiertem Polystyrol. Das ist der gleiche Schaumstoff, aus dem auch Verpackungen bestehen. Bei einem Aufprall verformt sich das Innenmaterial und nimmt einen großen Teil der Aufprallenergie auf. Der Schaum wird zusammengedrückt, bricht oder reißt an manchen Stellen. Diese Verformung schützt den Kopf, weil sie den Aufprall abfedert und die Kraft über eine längere Zeit verteilt.

Das lässt sich nicht rückgängig machen. Einmal zusammengedrückter Schaum kann sich nicht wieder ausdehnen und seine ursprüngliche Schutzwirkung zurückgewinnen. Der Helm hat bei diesem einen Aufprall seine Arbeit getan. Bei einem zweiten Sturz fehlt diese Verformungsreserve, und die Aufprallenergie trifft den Kopf deutlich direkter.

Warum unsichtbare Schäden gefährlich sind

Das Wichtigste: Sie sehen dem Helm den Schaden oft nicht an. Die Außenschale aus Kunststoff federt kleine Stöße ab und kann Risse verbergen, die im Inneren entstanden sind. Auch wenn der Helm nach einem Sturz keine Delle, keinen Riss und keine abgeplatzte Stelle zeigt, kann das Innenmaterial bereits Mikroschäden haben. Diese feinen Risse und Verdichtungen im Schaum sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen, schwächen aber die Struktur des Helms.

Ein Beispiel: Ein Radfahrer stürzt bei etwa 30 Kilometern pro Stunde auf nasser Straße und schlägt mit dem Visier auf dem Asphalt auf. Der Helm sieht danach völlig intakt aus. Trotzdem hat der Aufprall das Material beansprucht. Bei einem späteren Sturz könnte der Helm an genau dieser Stelle nachgeben und den Kopf nicht mehr richtig schützen. Die fehlende sichtbare Beschädigung ist also kein Zeichen dafür, dass der Helm noch funktioniert.

Wann Sie den Helm wechseln sollten

Die einfache Regel lautet: Nach jedem Sturz, bei dem der Helm mit dem Kopf in Kontakt gekommen ist, muss er ausgetauscht werden. Das gilt auch für Stürze, die harmlos wirken, etwa ein Umkippen des Fahrrads im Stand oder ein Anstoßen gegen eine Wand. Entscheidend ist nicht die Geschwindigkeit, sondern der Kontakt zwischen Helm und Aufprallfläche. Sobald der Helm einen Schlag abbekommen hat, können Sie sich nicht mehr auf seine Schutzwirkung verlassen.

Ausnahmen gibt es kaum. Wenn der Helm nur vom Lenker fällt und auf weichem Boden wie Gras oder Sand landet, ohne dass jemand ihn trägt, ist das in der Regel unproblematisch. Sobald aber ein Kopf im Helm steckt und der Helm auf einem harten Untergrund aufschlägt, sollten Sie ihn ersetzen. Auch wenn Sie unsicher sind, ob der Aufprall stark genug war, ist der Austausch die sichere Wahl. Ein neuer Helm kostet weniger als die Behandlung einer Kopfverletzung.

Zusätzlich sollten Sie den Helm regelmäßig auf äußere Schäden prüfen. Risse in der Schale, abgebrochene Kanten oder ein verformtes Innenmaterial sind deutliche Zeichen, dass der Helm nicht mehr zu gebrauchen ist. Auch ein Helm, der mehrere Jahre alt ist und stark belastet wurde, sollte ersetzt werden, auch wenn er nie gestürzt ist. Die Materialien altern und werden mit der Zeit weniger elastisch.