Für die passende Radkleidung zählen neben der Temperatur auch Wind, Regen, Tourdauer und Anstrengung. Eine kurze Fahrt zur Arbeit erfordert andere Kleidung als eine lange Tagestour mit Pausen und wechselndem Wetter.
Zieh mehrere Schichten an, die du einzeln aus- oder anziehen kannst. Prüfe vor der Abfahrt die Wettervorhersage und überlege, ob du für unterwegs eine zusätzliche Schicht brauchst.
Wetter und Fahrtdauer prüfen
Stell dir vier Fragen: Wie lange bist du unterwegs? Wie stark wirst du dich anstrengen? Sind Wind oder Regen angekündigt? Kannst du unterwegs auf Wetterwechsel reagieren? Je länger die Tour dauert, desto wichtiger ist eine Kleidungsschicht, die du verstauen und später wieder anziehen kannst.
Es spielt auch eine Rolle, wie schnell du frierst. Eine feste Temperaturgrenze, ab der dieselbe Kleidung für alle passt, gibt es nicht. Beim Fahren wärmt die Bewegung, während Fahrtwind auskühlt. Bei einer Pause fällt die zusätzliche Wärme durch die Anstrengung weg. Pack für längere Touren deshalb lieber eine leichte Zusatzschicht ein, statt dich nur für den Start anzuziehen.
Schichten statt dicker Jacke
Mehrere dünne Lagen lassen sich leichter an wechselnde Bedingungen anpassen als eine einzelne sehr warme Jacke. Bei kühlem Wetter kannst du zum Beispiel ein Unterhemd, ein Trikot und darüber eine winddichte Außenschicht tragen. Wird dir warm, öffne die Jacke oder leg eine Schicht ab.
Kleidung, die Schweiß vom Körper wegleitet und schnell trocknet, ist auf langen oder anstrengenden Fahrten hilfreich. Du kannst auch Merinowolle wählen, besonders wenn du ein natürliches Material bevorzugst. Für kurze, entspannte Wege reicht dagegen oft bequeme Alltagskleidung. Entscheidend ist, dass nichts einengt oder scheuert.
Bei Regen richtig wählen
Bei Nieselregen oder kurzen Schauern genügt vielen eine leichte Regenjacke, die griffbereit im Gepäck liegt. Bei längerem oder kräftigem Regen schützt eine Regenhose zusätzlich die Beine. Überschuhe oder trockene Wechselsocken helfen, wenn deine Füße unterwegs voraussichtlich nass werden.
Leichtere Überzieher für die Beine, etwa Regenrock oder Rainlegs, lassen sich schnell an- und ausziehen. Sie decken jedoch weniger ab als eine Regenhose und bieten bei starkem Regen weniger Schutz. Wähl die Variante nach Regenstärke und Fahrtdauer.
Unter einer Regenjacke stauen sich Wärme und Feuchtigkeit, vor allem wenn die Jacke wenig atmungsaktiv ist oder Sie sich stark anstrengen. Zieh darunter daher nicht automatisch möglichst viele Schichten an. Bei wechselhaftem Wetter ist eine Jacke sinnvoll, die Sie öffnen oder ausziehen können.
Hände, Füße und Kopf bei Kälte schützen
Bei Kälte brauchen vor allem Hände, Füße und Kopf Aufmerksamkeit. Winddichte Handschuhe halten die Finger wärmer. Das ist auch für die Kontrolle über Bremsen und Schalthebel wichtig, denn kalte oder steife Finger erschweren deren Bedienung.
Eine dünne Mütze unter dem Helm kann den Kopf wärmen. Sie darf den Helm jedoch nicht so verändern, dass er nicht mehr sicher sitzt. Überschuhe helfen gegen kalten Fahrtwind oder Nässe an den Füßen. Nimm solche Teile gezielt mit, wenn die Vorhersage oder deine Erfahrung mit der Strecke dafür spricht.
Kleidung bei Sonne und schlechter Sicht
Bei sonnigen Touren schützt Kleidung die Haut vor direkter Sonne. Für längere Fahrten durch offene Abschnitte kann ein langärmeliges Oberteil angenehm sein. Spezielle Kleidung mit UV-Schutz ist eine Option; verlass dich dabei nicht allein auf eine Produktangabe, denn Dehnung und Nässe beeinflussen den Schutz getragener Kleidung.
Achte bei Strecken mit schnellen Wechseln zwischen Sonne und Schatten auch auf gute Sicht. Stark getönte Brillengläser erschweren das Sehen in schattigen Abschnitten. Bei Regen, Nebel, Dämmerung oder frühem Start helfen helle und reflektierende Kleidungsstücke, besser gesehen zu werden. Sie ersetzen die Fahrradbeleuchtung nicht.
Passform für kurze und lange Radtouren
Auf kurzen Alltagswegen brauchst du keine spezielle Radkleidung, solange deine Kleidung bequem sitzt und dich nicht in der Bewegung behindert. Bei längeren Fahrten steigt der Nutzen von schnell trocknenden Stoffen und Kleidungsstücken, die nicht scheuern. Eine gepolsterte Radhose kann den Sitzkomfort erhöhen, ist aber keine Voraussetzung für jede Tour.
Achte auch auf deine Sitzposition. Wenn du dich weit nach vorn beugst, sollte das Oberteil am Rücken lang genug bleiben. Deine Hose sollte dich beim Treten nicht einschränken. Auf Radreisen sind wandelbare Teile wie Arm- und Beinlinge praktisch: Sie lassen sich anziehen, wenn es kühler wird, und verstauen, wenn die Sonne herauskommt.
Was zuerst ins Gepäck gehört
Für kurze Fahrten genügt meist Kleidung, in der du bequem fahren kannst. Bei einer längeren Tour ist eine zusätzliche Lage die sinnvolle erste Ergänzung. Wenn Regen angekündigt ist, kommt Regenschutz dazu. Bei Kälte solltest du besonders an Hände und Füße denken. So richtest du dein Gepäck nach den tatsächlichen Bedingungen aus, statt vorsorglich viele Teile mitzunehmen.
Probier neue Kleidung vor einer längeren Fahrt auf einer kürzeren Strecke aus. So merkst du, ob Nähte scheuern, der Stoff beim Treten spannt oder eine Jacke zu warm wird. Für eine mehrtägige Reise lohnt es sich außerdem, schnell trocknende Kleidung mitzunehmen. So sind einzelne Stücke nach dem Waschen oder einem Regenschauer bald wieder trocken und einsatzbereit.