Bei jedem Tritt drückt der Fuß aufs Pedal. Eine steife Sohle biegt sich weniger durch und hält den Fuß besonders bei kräftigen Antritten stabil über dem Pedal. Eine möglichst harte Sohle steigert aber nicht automatisch Leistung oder Komfort.
Entscheidend sind auch der Sitz des Schuhs, die Pedalbindung und der Einsatzzweck. Wer viel sprintet und selten zu Fuß unterwegs ist, wählt meist andere Schuhe als jemand, der mit dem Rad wandert oder häufig schiebt.
Die Sohle stützt den Tritt
Beim Treten übertragen Fuß, Schuh und Pedal gemeinsam die Kraft auf das Fahrrad. Eine flexible Sohle verformt sich unter Belastung stärker. Eine steifere Sohle hält den Fuß stabiler über dem Pedal, besonders wenn Sie kräftig antreten oder sprinten.
Studien zeigen jedoch keinen einfachen Zusammenhang nach dem Motto: Je steifer die Sohle, desto schneller fahren Sie. In einer Untersuchung mit 19 Radfahrern unterschieden sich die gemessenen Sprintwerte bei drei getesteten Sohlentypen nicht deutlich. Eine weitere Studie fand bei sehr großen Steifigkeitsunterschieden kleine Leistungseinbußen mit weicheren Sohlen. Das spricht dafür, dass sehr flexible Sohlen bei maximalen Sprints nachteilig sein können, während der Unterschied zwischen vielen üblichen Radschuhen gering bleibt.
Für gleichmäßiges Fahren lässt sich daraus kein allgemeiner Vorteil beim Energieverbrauch ableiten. Die Studien untersuchten vor allem kurze, intensive Sprints. Wenn Sie überwiegend entspannt oder mit gleichmäßigem Tempo fahren, sollten Passform und Komfort bei der Wahl mindestens ebenso stark zählen wie die maximale Steifigkeit.
Die Pedalbindung sorgt für Halt
Bei Klickpedalen hält ein Cleat, also das am Schuh befestigte Verbindungsteil, den Schuh im Pedal. Die Sohle bildet dafür die feste Basis. Sie selbst verriegelt den Schuh jedoch nicht. Auch die Passform zählt: Sitzt der Schuh am Fuß oder an der Ferse locker, gleicht eine steife Sohle das nicht aus.
Probieren Sie Radschuhe deshalb mit der vorgesehenen Pedalbindung an und achten Sie darauf, dass Ferse und Mittelfuß sicher sitzen. Der Cleat sollte fest montiert sein und zu Ihrem Pedalsystem passen. Es gibt keinen direkten Nachweis dafür, dass eine steifere Sohle allein den Halt im Pedal verbessert.
Steifigkeit und Komfort abwägen
Eine feste Sohle kann dem Fuß beim Treten eine stabilere Auflage bieten. Wie angenehm sich der Schuh anfühlt, hängt aber auch davon ab, wie gut die Schuhform zu Ihrem Fuß passt und wie sich der Druck verteilt. Die Position des Cleats und die Einlegesohle beeinflussen den Sitz ebenfalls.
Steifer bedeutet nicht in jedem Fall bequemer. In einer kleinen Untersuchung erzeugten die getesteten Schuhe mit Carbonsohle bei hoher Belastung höhere Druckspitzen im Vorfuß, also stärkeren Druck an einzelnen Stellen, als die verglichenen Schuhe mit Kunststoffsohle. Das Ergebnis gilt für die untersuchten Schuhe und Bedingungen, nicht für alle Carbonmodelle. Wenn Sie Druckstellen oder Taubheitsgefühle bekommen, prüfen Sie zuerst Passform und Cleat-Position. Eine noch steifere Sohle ist keine verlässliche Lösung.
Eine steife Sohle rollt beim Gehen weniger natürlich ab. Für Rennradfahrten mit wenigen Stopps ist das oft nebensächlich. Auf Gravel- oder Mountainbike-Touren, bei denen Sie häufiger absteigen, ist ein Schuh mit etwas mehr Beweglichkeit beim Gehen oft praktischer.
Die passende Sohle wählen
Für regelmäßige Sprints und sportliche Fahrten ist eine steife Sohle eine sinnvolle Wahl, weil sie den Fuß stabil über dem Pedal hält. Die Forschung zeigt zwischen verschiedenen üblichen Radschuhsohlen keinen verlässlichen großen Leistungsvorsprung. Deshalb kommt auch ein Modell mit geringerer Steifigkeit infrage.
Wenn Sie viel laufen oder gehen, achten Sie stärker auf Abrollkomfort und einen sicheren Sitz. Bei empfindlichen Füßen zählt vor allem, dass der Schuh nirgends drückt und der Druck am Vorfuß angenehm bleibt. Probieren Sie mehrere Modelle an und beurteilen Sie den Sitz auch in der Fahrposition, nicht nur im Stehen.