Fahrradkleidung für die Berge
Beim Radfahren in den Bergen heizt der Anstieg den Körper auf. In der Abfahrt treten Sie nicht mehr, und der Fahrtwind kühlt Sie aus. Wer sich nur an der Starttemperatur orientiert, schwitzt nach wenigen Minuten oder friert talwärts. Die Lösung ist ein Schichtsystem, das Sie unterwegs an- und ablegen, und ein Plan, wann Sie das tun.
Der Temperaturwechsel ist das Kernproblem
Beim Klettern erzeugt der Körper viel Wärme. Sie schwitzen, und die Kleidung nimmt Feuchtigkeit auf. In der Abfahrt fehlt diese Wärmequelle, und der Fahrtwind verstärkt die Abkühlung. Nasse Kleidung kühlt den Körper zusätzlich, weil das Wasser die Wärme schneller abführt. Deshalb ist Feuchtigkeit im Winter der größte Gegner: von innen durch Schweiß, von außen durch Regen. Gute Radkleidung hält beides vom Körper fern.
Das Zwiebelprinzip fürs Radfahren
Das Zwiebelprinzip heißt: mehrere dünne Schichten übereinander, die Sie einzeln an- und ausziehen können. Ein typisches System für kalte Touren besteht aus Funktionsunterwäsche als unterste Schicht, einem Fleece-Jersey und Thermohose als mittlerer Schicht sowie einer wind- und wasserdichten Jacke und Regenhose als äußerer Schicht. Dazu kommen Handschuhe, Überschuhe und eine Mütze unter dem Helm.
Vor dem Start nicht überhitzen
Der häufigste Fehler ist, sich am Start so anzuziehen, wie es für die Abfahrt richtig wäre. Wenn Sie am Auto oder am Parkplatz stehen, produzieren Sie noch keine Wärme, und die Kleidung fühlt sich angenehm an. Nach zehn Minuten Anstieg ist Ihnen dann heiß. Starten Sie lieber etwas zu kühl. Wenn Ihnen in den ersten Minuten leicht kühl ist, ist das richtig, weil der Körper beim Klettern schnell Wärme produziert. Öffnen Sie den Reißverschluss der Jacke und schieben Sie die Ärmel hoch, sobald Sie ins Schwitzen kommen.
Die Abfahrt ohne Auskühlen
Vor der Abfahrt ziehen Sie die winddichte Jacke an, und zwar am Gipfel, solange Sie noch warm sind. Warten Sie nicht, bis Sie in der Abfahrt frieren, denn dann ist der Körper schon ausgekühlt. Der Fahrtwind kühlt stärker, als die Lufttemperatur vermuten lässt, und ohne Tretbewegung erzeugen Sie keine Wärme. Eine winddichte Außenschicht hält diesen Effekt ab. Für längere Pausen am Gipfel eignet sich eine leichte Daunenjacke, die viel Wärme bei wenig Gewicht bietet. Zum Fahren ist sie weniger geeignet, weil sie kaum Feuchtigkeit nach außen lässt.
Wann Sie die Kleidung anpassen
Planen Sie die Wechselpunkte ein. Am Fuß des Anstiegs legen Sie die Jacke ab oder öffnen sie. Am Gipfel, vor der Abfahrt, ziehen Sie sie wieder an. Nehmen Sie sich die zwei Minuten Zeit dafür. Wenn Sie die Jacke erst in der Abfahrt anziehen, haben Sie den Kälteschock schon gespürt. Bei langen Abfahrten mit Zwischenanstiegen wiederholen Sie das Muster: anziehen vor der Abfahrt, ablegen vor dem nächsten Anstieg.
Materialien, die funktionieren
Als unterste Schicht eignet sich Funktionsunterwäsche, die Schweiß vom Körper wegtransportiert. Baumwolle saugt sich voll und kühlt dann, deshalb ist sie zum Radfahren ungeeignet. In der mittleren Schicht hält Fleece warm und lässt Feuchtigkeit durch. Die äußere Schicht muss winddicht sein, damit der Fahrtwind nicht durchkommt. Viele Radjacken haben Belüftungsöffnungen unter den Armen oder am Rücken, die Sie im Anstieg öffnen können. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Jacke im Sitzen auf dem Rad gut sitzt und vorne nicht hochrutscht. Die Kollektionen für Rennrad, Mountainbike und Stadt unterscheiden sich im Schnitt und in der Ausstattung. Viele Teile lassen sich aber für beide Zwecke nutzen.
Zubehör für Kopf, Hände und Füße
Über die Extremitäten verlieren Sie viel Wärme. Eine dünne Mütze unter dem Helm hält den Kopf warm, ohne dass der Helm drückt. Handschuhe sollten im Anstieg nicht zu dick sein, weil die Hände dort schnell schwitzen. Für die Abfahrt können Sie wärmere Handschuhe einpacken. Überschuhe schützen die Füße vor Wind und Regen. Ein Halstuch oder Schlauchschal schließt die Lücke zwischen Jacke und Helm. Reflektierende Elemente an der Kleidung machen Sie in der Dämmerung und im Dunkeln für andere Verkehrsteilnehmer sichtbar.