Categories
Radbekleidung

Windschutz auf dem Fahrrad

Beim Radfahren bestimmt der Wind das Wärmegefühl stärker als das Thermometer. Wer schnell in den Gegenwind fährt oder einen Berg hinabrollt, spürt eine gefühlte Temperatur deutlich unter der tatsächlichen Lufttemperatur. Der Windchill-Effekt kühlt den Körper aus, obwohl die Luft nicht kalt ist.

Die Wahl zwischen Weste und winddichter Jacke entscheidet, ob Sie trocken und warm ankommen oder fröstelnd absteigen. Faustregel: Zwischen etwa 10 und 20 Grad Celsius reicht meist eine leichte Windjacke. Darunter brauchen Sie wärmere Schichten. Bei mildem Wetter ohne Fahrtwind genügt oft eine Weste.

Warum Wind auf dem Rad stärker kühlt

Der Windchill-Effekt entsteht, weil bewegte Luft die warme Schicht über Ihrer Haut ständig abtransportiert. Beim Gehen oder Joggen sind Sie langsamer. Beim Radfahren kommen zur eigenen Geschwindigkeit noch Böen und Gegenwind dazu. Die effektive Windgeschwindigkeit an Ihrem Körper ist also deutlich höher. Bei 30 km/h Fahrt zählt der Wind mehr als die Lufttemperatur. Ein Beispiel: Bei 14 Grad Celsius schwitzen Sie beim Anstieg, weil die eigene Körperwärme die Kälte ausgleicht. Auf der anschließenden Abfahrt fehlt diese Wärmequelle. Der Fahrtwind kühlt den nassen Stoff auf Ihrer Haut, und Sie frieren schnell. Genau dafür ist eine Windjacke da.

Unterhalb von etwa 10 Grad Celsius spüren die meisten Radfahrer den Windchill unangenehm. Der Körper verliert dann schneller Wärme, als er sie erzeugen kann, besonders an unbedeckten Stellen wie Händen, Füßen und im Nacken. Wer bei diesen Temperaturen lange unterwegs ist, riskiert Auskühlung. Diese zeigt sich in Frösteln, müden Beinen und sinkender Konzentration. Eine winddichte Schicht verhindert, dass der Fahrtwind die Wärme abträgt.

Wann eine Weste reicht

Eine Weste schützt den Rumpf, also Brust, Rücken und Bauch, lässt aber die Arme frei. Das ist genau dann die richtige Wahl, wenn Sie sich durch Bewegung warm halten und nur der Körperkern etwas Schutz braucht. Typische Situationen sind flotte Ausfahrten bei milden Temperaturen, bei denen Sie ständig in Bewegung bleiben. Die Arme arbeiten beim Radfahren aktiv und produzieren selbst Wärme. Deshalb brauchen sie oft keine Jacke. Eine Weste verhindert außerdem, dass Sie ins Schwitzen geraten, weil sie die Wärme besser abgibt als eine Jacke mit Ärmeln.

Wichtig ist, dass die Weste winddicht ist und eng genug sitzt, damit keine Zugluft durch den Saum oder die Armausschnitte dringt. Ein hoher Kragen oder ein enger Abschluss am Hals schützt zusätzlich. Bei Temperaturen über 20 Grad lassen Sie die Weste besser zu Hause, weil Sie sonst überhitzen. Auch bei Regen hilft eine Weste kaum, denn sie hält nur den Rumpf trocken, nicht die Arme.

Wann eine winddichte Jacke nötig ist

Eine Windjacke ist eine leichte, dünne Hülle, die Sie zusammengefaltet in die Trikottasche stecken können. Sie ist keine wärmende Schicht, sondern eine Barriere. Die Wärme kommt aus dem darunterliegenden Trikot und der Basisschicht. Die Jacke verhindert nur, dass der Wind sie wegträgt. Genau deshalb funktioniert sie in einem weiten Temperaturbereich. Zwischen 10 und 20 Grad Celsius ist sie die vielseitigste Wahl, weil Sie sie bei Bedarf an- und ausziehen können.

Nehmen Sie die Jacke immer mit, wenn die Tour lange Abfahrten oder freie, windexponierte Abschnitte enthält, selbst wenn der Wetterbericht mild ist. Ein Tag, der mit 11 Grad startet und auf 19 Grad ansteigt, ist ein klassischer Fall für eine Windjacke. Am Morgen brauchen Sie sie, mittags wandert sie in die Tasche. Unter 10 Grad reicht die dünne Jacke allein nicht mehr. Dann gehört eine wärmere Schicht darunter oder gleich eine gefütterte Winterjacke dazu. Über 20 Grad bleibt sie in der Tasche, außer es regnet. Dann schützt sie zumindest vor Nässe.

Details, die gegen Auskühlung helfen

Nicht nur die Jacke selbst entscheidet, sondern die Verarbeitung. Ein durchgehender Reißverschluss, den Sie von oben und unten öffnen können, reguliert die Temperatur, ohne die Jacke ausziehen zu müssen. Auf langen Anstiegen öffnen Sie ihn von unten für Belüftung. Auf der Abfahrt ziehen Sie ihn ganz hoch. Ein hoher Kragen mit weichem Innenmaterial schützt den Nacken, eine der empfindlichsten Stellen bei Fahrtwind. Eng anliegende Bündchen an den Ärmeln verhindern, dass kalte Luft zum Unterarm strömt. Ein elastischer Saum am Bund hält die Jacke an Ort und Stelle, wenn Sie sich in die Aeroposition begeben.

Achten Sie auch auf die Passform. Die Jacke sollte nicht zu weit sein, sonst flattert sie im Wind und lässt Luft zirkulieren. Sie sollte aber auch nicht so eng sitzen, dass Sie darunter keine wärmende Schicht tragen können. Ein verstellbarer Saum mit Kordelzug oder Klettverschluss hilft, die Jacke an wechselnde Bedingungen anzupassen. Wer zu stark schwitzt, sollte auf eine Jacke mit Belüftungsöffnungen unter den Armen achten. Sonst staut sich die Feuchtigkeit und kühlt später zusätzlich.