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Radbekleidung

Radkleidung für kurze Wege und lange Touren

Wer mit dem Rad fährt, fragt sich: Was ziehe ich an? Die Antwort hängt von der Fahrtdauer ab. Auf dem kurzen Weg zur Arbeit oder zum Bäcker schwitzt man anders als auf einer dreistündigen Tour, und das Wetter spürt man auf langen Strecken stärker. Deshalb sollte die Kleidungswahl die geplante Fahrtzeit genauso berücksichtigen wie die Temperatur.

Warum die Fahrtlänge die Radkleidung bestimmt

Der entscheidende Unterschied ist, wie viel Wärme der Körper erzeugt. Auf einem kurzen Weg von zehn Minuten kommt der Körper kaum auf Betriebstemperatur. Sie starten kalt und kommen kalt an, egal wie sehr Sie treten. Auf einer Tour von zwei Stunden oder mehr erzeugt der Körper ständig Wärme. Die Kleidung muss diese Wärme ableiten, sonst schwitzen Sie und kühlen bei der nächsten Pause aus.

Auch wie lange Sie dem Wetter ausgesetzt sind, zählt. Ein Regenschauer von fünf Minuten ist ärgerlich, aber verkraftbar. Derselbe Schauer auf einer sechsstündigen Tour kann zur Unterkühlung führen. Das passiert, wenn die Kleidung nass wird und keine Ersatzkleidung da ist. Auch der Wind macht sich stärker bemerkbar, je länger Sie unterwegs sind. Auf einer Stunde Fahrt spüren Sie eine steife Brise vielleicht nur an den Ohren. Nach vier Stunden gegen den Wind kühlt der ganze Körper aus, wenn die Kleidung nicht winddicht ist.

Kurze Wege: Alltagskleidung reicht meist

Für den Alltag, also den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zur Schule, zählt vor allem eines: Sie müssen sich wohlfühlen, ohne viel Aufwand. Sie ziehen die Kleidung an, fahren los, und am Ziel müssen Sie damit klarkommen, wie Sie aussehen. Eine enganliegende Trägerhose mit Polster ist für viele Alltagsfahrer übertrieben, weil sie sich darin auf dem Weg zur Arbeit unwohl fühlen oder die Träger unter der Alltagskleidung stören.

Für kurze Strecken reicht meist normale Alltagskleidung, ergänzt um ein paar gezielte Stücke. Eine winddichte Jacke, die in den Rucksack passt, schützt vor Kälte und Regen, ohne dass Sie sich komplett umziehen müssen. Handschuhe sind bei Temperaturen unter zehn Grad auch auf kurzen Wegen sinnvoll, weil die Hände an den Lenkergriffen schnell auskühlen. Eine dünne Mütze unter dem Helm verhindert, dass der Kopf auskühlt, und lässt sich am Ziel einfach abnehmen.

Wer regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fährt, kennt das Problem des Schwitzens. Auf kurzen Wegen wählen Sie die Kleidung so, dass Sie nicht ins Schwitzen geraten. Das bedeutet: lieber eine Schicht weniger als zu viel. Eine dünne Funktionsunterwäsche unter dem normalen Hemd oder der Bluse transportiert Feuchtigkeit ab, ohne dass Sie eine komplette Radhose brauchen. Wenn Sie am Ziel duschen können, spielt das keine Rolle, aber die meisten Alltagsfahrer wollen einfach ankommen, ohne auszusehen, als hätten sie Sport gemacht.

Lange Touren: Schichten und Schutz

Auf längeren Touren ab etwa zwei Stunden ändert sich grundlegend, was Sie von der Kleidung brauchen. Sie sind dem Wetter über Stunden ausgesetzt, Ihr Körper erzeugt ständig Wärme, und Sie müssen mit Temperaturschwankungen rechnen, etwa bei Anstiegen, Abfahrten oder Pausen. Hier funktioniert das Zwiebelprinzip am besten: mehrere dünne Schichten übereinander, die Sie je nach Bedarf an- oder ausziehen können.

Die Basis ist ein Funktionsshirt, das Schweiß von der Haut wegtransportiert. Darüber kommt je nach Temperatur ein Langarmshirt oder eine dünne Fleecejacke. Die äußere Schicht sollte winddicht und wasserabweisend sein, damit Sie bei Regen und Wind geschützt bleiben. Eine Regenjacke, die sich klein zusammenpacken lässt, gehört auf jede Tour, auch wenn der Himmel morgens noch blau ist.

Bei den Hosen haben Sie die Wahl zwischen kurzen und langen Modellen. Kurze Radhosen aus Lycra sind die erste Wahl für warmes Wetter, intensive Fahrten und Sommertouren. Sie sitzen eng, scheuern nicht und haben ein Polster, das den Druck auf dem Sattel abfedert. Lange Radhosen lohnen sich bei Kälte, Wind und in der Übergangszeit, weil sie die Beine schützen und den ganzen Bereich um Knie und Oberschenkel warm halten. Wer im Winter fährt, greift zu langen Modellen mit winddichtem Material im vorderen Bereich.

Ein Punkt, den viele Radfahrer unterschätzen: der Nierenschutz. Auf längeren Touren kühlt der untere Rücken schnell aus, besonders bei Gegenwind. Trägerhosen, also Hosen mit Schulterträgern statt Gummibund, sitzen besser und schützen den Lendenbereich, weil sie keine Lücke zwischen Hose und Oberteil lassen. Der Nachteil: Wer eine Trägerhose trägt, muss sich für den Toilettengang fast komplett ausziehen. Das ist auf einer Tour mit Kaffeepause lästig, aber für viele Radfahrer der bessere Komfort wert.

Kleidungsreserven: Was gehört in die Tasche

Der wichtigste Unterschied zwischen kurzen und langen Fahrten ist die Reserve. Auf dem Weg zur Arbeit brauchen Sie keine Ersatzkleidung, höchstens eine dünne Jacke für den Fall, dass es regnet. Auf einer Tour von mehreren Stunden sollten Sie dagegen ein paar gezielte Stücke einpacken, die Sie vor Wetterumschwüngen und Auskühlung schützen.

Eine winddichte Weste ist das vielseitigste Reserve-Teil. Sie ist leicht, nimmt kaum Platz weg und hält den Rumpf warm, ohne dass Sie eine dicke Jacke tragen müssen. Dazu kommen dünne Überschuhe, die bei Regen und Kälte die Füße trocken halten, und ein Paar Wechselhandschuhe. Wenn Sie im Sommer unterwegs sind, reicht ein dünnes Langarmshirt als Schutz gegen Sonne und kühle Abfahrten. Im Winter gehört eine zusätzliche Isolationsschicht in die Tasche, etwa eine dünne Daunenjacke, die Sie in der Pause überziehen.

Die Faustregel lautet: Je länger die Tour, desto mehr Reserve. Auf einer Stunde kommen Sie mit einer Jacke aus. Auf fünf Stunden sollten Sie für jede Wetterlage gerüstet sein, auch wenn Sie die meiste Zeit davon die Reserve gar nicht brauchen. Lieber einmal zu viel einpacken als einmal zu wenig, denn auf einer Tour gibt es keinen Laden um die Ecke, in dem Sie schnell eine Jacke nachkaufen können.