Fahrradbekleidung · Ratgeber für Alltag und RadsportAlle Ratgeber
Ratgeber

Radkleidung für Fahrten mit vielen Stopps

Im Stadtverkehr, auf Besorgungsfahrten und bei häufigen Stopps wird Ihnen beim Treten warm, und Sie schwitzen. Wenn Sie anhalten, produziert Ihr Körper weniger Wärme. Wind und feuchte Kleidung kühlen Sie weiter aus.

Ziehen Sie beim Fahren genug an, um sich wohlzufühlen, aber nicht so viel, dass Sie stark schwitzen. Halten Sie eine Wind- oder Regenjacke griffbereit, wenn Sie länger in der Kälte stehen.

Beim Fahren Wärme abführen

Wählen Sie Ihre Kleidung danach aus, wie warm Ihnen während der Fahrt wird, nicht nur danach, wie es sich vor der Haustür anfühlt. Beim Treten erzeugt Ihr Körper zusätzliche Wärme. Eine dicke, geschlossene Jacke hält diese Wärme fest und lässt Sie leichter schwitzen. Öffnen Sie Reißverschlüsse oder Lüftungsöffnungen, bevor Ihnen zu warm wird.

Die erste Schicht sollte bequem sitzen und Feuchtigkeit von der Haut wegführen. Sie sollte außerdem nicht scheuern. Darüber können Sie eine leichte Schicht tragen, die sich schnell öffnen oder ausziehen lässt. Der ADFC empfiehlt für Radtouren mehrere Schichten, die Sie anpassen können, statt eines einzelnen dicken Kleidungsstücks.

Ein Versuch zu längeren Fahrten zeigt, warum Sie nicht zu warm starten sollten: Sieben Radfahrer schwitzten bei etwa 17 Grad Celsius stärker und hatten eine höhere Körpertemperatur, wenn sie zusätzliche Winterkleidung trugen. Die Untersuchung testete keine Ampelstopps. Sie zeigt aber, dass eine warme Zusatzschicht während der Fahrt schnell zu viel sein kann.

In Pausen vor Wind schützen

Bei kurzem Warten an einer Ampel reicht es meist, wenn Sie Ihre Kleidung während der Fahrt angepasst haben. Öffnen Sie die Jacke, sobald Ihnen zu warm wird, und schließen Sie sie beim Anhalten wieder. Bei einer längeren Pause schützt eine dünne Windjacke Ihren verschwitzten Oberkörper vor Zugluft.

Packen Sie die Jacke so ein, dass Sie sie schnell finden. Bei kühlem oder nassem Wetter ist eine wind- und wasserabweisende Jacke nützlich. Sie sollte auch atmungsaktiv genug sein: Sehr dichtes Regenmaterial hält Wärme und Feuchtigkeit unter der Jacke fest. Bei Regen muss die Kleidung Sie außerdem trocken halten. Eine Windjacke allein reicht als Regenschutz nicht aus.

Wie lange die Pause dauert, beeinflusst den Jackenbedarf. Dazu kommen Wind und Nässe sowie Außentemperatur und Fahrintensität. Auch Ihre persönliche Kälteempfindlichkeit spielt eine Rolle. Ziehen Sie die zusätzliche Schicht an, sobald Sie in der Pause merklich auskühlen. Warten Sie nicht auf eine bestimmte Minutenzahl.

Hände, Hals und Kopf schützen

Kühle Hände machen Stopps besonders unangenehm. Beim Warten bewegen Sie Ihre Hände weniger als beim Lenken und Bremsen. Bei kühlem, windigem Wetter helfen Handschuhe, die den Wind abhalten und Ihnen sicheren Griff am Lenker geben. Bei wechselhaftem Wetter lassen sich dünnere Handschuhe leichter anpassen als ein sehr warmes Paar, in dem Ihnen beim Treten schnell zu warm wird.

Bedecken Sie Hals und Kopf passend zum Wetter. Ein Halstuch oder ein dünner Schlauchschal lässt sich schnell anpassen. Achten Sie darauf, dass die Kleidung Ihre Sicht und Ihr Gehör nicht beeinträchtigt und Sie sich beim Schulterblick frei bewegen können.

Das Material passend zur Pause wählen

Der Stoffname allein sagt wenig darüber aus, wie angenehm ein Kleidungsstück beim Fahren und Anhalten ist. Wie warm Sie sich fühlen, hängt auch von Schnitt und Gewebe ab. Passform und Feuchtigkeit spielen ebenfalls eine Rolle. Kunstfasern verhalten sich nicht alle gleich. Auch Naturfasern können je nach Verarbeitung unterschiedlich sein.

In einem Laborversuch mit trainierten Erwachsenen schnitt ein bestimmtes Oberteil aus Polyester und Nylon bei einem 20-Kilometer-Zeitfahren besser ab als ein Baumwollensemble. Eine andere kleine Studie ergab, dass sich ein Wolloberteil nach dem Fahren bei kühlem Wetter angenehmer und wärmer anfühlte als die getesteten Vergleichsstoffe. Daraus lässt sich keine allgemeine Rangliste ableiten, denn die Versuche untersuchten unterschiedliche Kleidungsstücke und Situationen.

Wichtiger als das Etikett ist, wie gut das Kleidungsstück bei Ihrem Fahrtempo mit Feuchtigkeit umgeht und ob Sie in der Pause eine weitere Schicht darüberziehen können. Probieren Sie neue Kleidung zunächst auf einer kurzen Alltagsfahrt aus. Wenn Sie am Ziel mit feuchtem Oberteil frieren, hilft Ihnen wahrscheinlich eine Schicht, die Sie leichter anpassen können, oder eine griffbereite Jacke mehr als dauerhaft dickere Kleidung.