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Radbekleidung

Funktionsunterwäsche fürs Radfahren

Radfahren bedeutet Temperaturwechsel: kühl beim Start, Schweiß nach wenigen Kilometern, Frieren in der Abfahrt. Funktionsunterwäsche liegt direkt auf der Haut, leitet Schweiß ab, trocknet schnell und hält den Körper je nach Wetter warm oder kühl. Entscheidend sind Material und Passform, denn die gebeugte Sitzposition verlangt anderes als Wandern oder Laufen.

Was Funktionsunterwäsche leistet

Funktionsunterwäsche soll atmungsaktiv und schnelltrocknend sein, vor Überhitzung und Kälte schützen und ein angenehmes Körperklima schaffen. Das funktioniert, weil die Schicht den Schweiß von der Haut aufnimmt und an die nächste Kleidungsschicht weitergibt. Trocknet diese Schicht schnell, kühlt der Körper nicht aus, sobald Sie das Tempo drosseln oder bergab rollen. Baumwolle erfüllt diese Aufgabe nicht: Sie saugt sich voll, bleibt nass und klebt auf der Haut. Deshalb greifen Radfahrer zu Materialien, die Feuchtigkeit aktiv ableiten.

Merinowolle oder Kunstfaser

Die zwei Grundmaterialien sind Merinowolle und Kunstfaser, dazu kommen Mischungen aus beidem.

Merinowolle ist Feinwolle von Merinoschafen, die überwiegend in Australien, Neuseeland und Südafrika gehalten werden. Die feinen Fasern fühlen sich weich an und regulieren die Temperatur gut. Gerüche nehmen sie weniger stark auf. Der Nachteil: Wolle trocknet langsamer als Kunstfaser und ist teurer. Für kühle Tage, an denen Sie viel Pause machen oder langsam fahren, ist das ein fairer Tausch.

Kunstfaser, meist Polyester oder Polyamid, trocknet schneller und ist günstiger. Sie hält zudem viele Wäschen. Dafür nimmt sie Schweißgeruch schneller an und muss öfter gewaschen werden. Wer im Sommer schwitzt und Wert auf schnelle Trocknung legt, kommt mit Kunstfaser gut zurecht. Materialmischungen kombinieren beides: Der Kunstfaseranteil sorgt für schnelle Trocknung, der Wollanteil für Geruchsneutralität und Tragekomfort.

Für den Sommer gibt es dünne, kühlende Funktionsshirts, die kaum auftragen. Allgemeine Baselayer-Tests, also Tests für Funktionsunterwäsche, etwa von Bergzeit, nennen das Ortovox 120 Comp Light als bestes Merino-Shirt für warme Tage. Das Patagonia Capilene Midweight Crew ist ein Allround-Tipp aus Synthetik, das Odlo Zeroweight Chill-Tec für intensive Belastung. Diese Empfehlungen stammen aus dem allgemeinen Outdoorsport und sind nicht speziell aufs Radfahren zugeschnitten. Die Materialeigenschaften übertragen sich aber.

Passform für die Sitzposition

Beim Radfahren sitzen Sie vornübergebeugt, der Rücken ist gerundet, die Arme greifen nach vorn. Ein Oberteil, das im Stehen gut sitzt, kann in dieser Haltung stören: Es schiebt sich am Bauch zusammen, die Ärmel rutschen oder es bilden sich Falten, die unter dem Träger der Radhose drücken.

Achten Sie auf einen engen, aber nicht einschnürenden Schnitt, der auch in der gebeugten Haltung an Ort und Stelle bleibt. Flache Nähte verhindern Druckstellen, die sich auf langen Touren sonst wund reiben. Ärmel sollten lang genug sein, damit sie in der Streckhaltung nicht hochrutschen, aber nicht so lang, dass sie unter der Außenschicht bauschen. Ein etwas länger geschnittenes Rückenteil verhindert, dass das Shirt aus der Hose rutscht.

Kaufen Sie Funktionsunterwäsche am besten in der Haltung, in der Sie sie tragen: Probieren Sie das Shirt an und beugen Sie sich vor, um zu prüfen, ob es verrutscht. Das klingt banal, erspart aber den Ärger auf der ersten Ausfahrt.

Die Radunterhose als Sonderfall

Zur Funktionsunterwäsche fürs Radfahren gehört auch die Radunterhose, die unter normaler Kleidung getragen wird. Sie ist für Pendeln, Touren, E-Bike und Alltag ganzjährig sinnvoll, weil sie an den richtigen Stellen Polster bietet und Reibung verhindert.

Die Temperaturangaben für Radhosen helfen bei der Auswahl der unteren Schicht: Bib Shorts, also Radhosen mit Trägern, und kurze Radhosen passen zu 15 bis 35 Grad, 3/4-Radhosen zu 8 bis 20 Grad, lange Bib Tights zu minus 5 bis 10 Grad, Thermo-Tights zu minus 10 bis 5 Grad und Radshorts zu 10 bis 35 Grad. Diese Werte beziehen sich auf die Radhose selbst, nicht auf das darunterliegende Funktionsmaterial. Für die obere Körperhälfte gibt es keine vergleichbare Tabelle, hier entscheiden Wetter, Tempo und persönliches Kälteempfinden.

Welche Radhose zu welchem Einsatz passt, ist klar geregelt: Bib Shorts empfiehlt sich für Rennrad, Gravel und lange Touren, die kurze Radhose für Touring, MTB und E-Bike. In der Übergangszeit greifen Sie zur 3/4-Radhose, fürs Wintertraining zu langen Bib Tights und bei sehr kalten Tagen mit Windschutz zu Thermo-Tights. Radshorts passen zu MTB, All Mountain und Gravel.

Temperatur und Schichtung

Funktionsunterwäsche wirkt erst im Zusammenspiel mit den weiteren Schichten. Im Sommer reicht ein dünnes Funktionsshirt unter dem Trikot. An kühlen Tagen kommt darüber eine wärmende Mittelschicht, bei Nässe und Wind eine Außenschicht mit Windschutz.

Die Faustregel: Je kälter und windiger es ist, desto wichtiger wird die erste Schicht, weil sie den Schweiß von der Haut wegbringt. Nasse Haut kühlt schnell aus, sobald Sie langsamer fahren. Wer im Winter friert, prüft zuerst, ob die äußere Schicht den Wind abhält, bevor er eine dickere Funktionsunterwäsche wählt. Eine dünne, gut sitzende erste Schicht unter einer winddichten Jacke wärmt oft besser als ein dicker Pullover, der Schweiß staut.