Fahrradkleidung für den Winter
Fahrtwind kühlt den Körper aus. Die Anstrengung erzeugt Wärme und Schweiß. Das Zwiebelprinzip löst beides: mehrere dünne Schichten übereinander statt einer einzelnen dicken Jacke. Je nach Tempo, Steigung und Wetterlage legen Sie einzelne Schichten an oder ab. So bleiben Sie warm und trocken.
Warum Schichten funktionieren
Beim Radfahren ist das Schichtsystem anspruchsvoller als bei anderen Sportarten, weil Körperwärme und Fahrtwind gegeneinander arbeiten. Eine Abfahrt bei 5 Grad Celsius und 50 km/h fühlt sich an wie nahe dem Gefrierpunkt. Gleichzeitig produziert der Körper beim Treten Wärme, die irgendwohin muss. Kleidung, die nur dick ist, aber keine Feuchtigkeit nach außen transportiert, führt schnell zu Überhitzung und anschließendem Auskühlen.
Die eigentliche Gefahr im Winter ist Feuchtigkeit, egal ob sie von innen durch Schweiß oder von außen durch Regen kommt. Nasse Kleidung leitet die Körperwärme deutlich schneller ab als trockene. Deshalb besteht das Ziel jeder Schicht darin, Feuchtigkeit vom Körper wegzubewegen und Wind draußen zu halten, ohne die Wärme am Rücken zu stauen.
Die erste Schicht: Funktionsunterwäsche
Die unterste Schicht ist die wichtigste. Ihre einzige Aufgabe ist es, Schweiß von der Haut wegzutransportieren und Sie trocken zu halten. Eine nasse Funktionsunterwäsche ist die häufigste Ursache dafür, dass Radfahrer auf dem Rad auskühlen. Baumwolle ist hier ungeeignet, weil sie Feuchtigkeit aufsaugt und lange nass bleibt. Greifen Sie stattdessen zu synthetischen Materialien wie Polyester oder zu Merinowolle, die auch leicht feucht noch wärmt.
Die Funktionsunterwäsche sollte eng am Körper anliegen, aber nicht einschnüren. Sie muss die Feuchtigkeit aufnehmen und an die nächste Schicht weitergeben können. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt reicht ein dünnes Langarmshirt. Bei stärkerem Frost wechseln Sie auf eine etwas dickere Variante.
Die zweite Schicht: Wärme
Über der Funktionsunterwäsche sitzt die Isolationsschicht, die den Körper warm hält. Ein fleecegefüttertes Trikot oder eine dünne Fleecejacke eignen sich dafür gut. Diese Schicht muss atmungsaktiv sein, damit der Schweiß aus der ersten Schicht weiter nach außen gelangen kann. Je nach persönlichem Wärmeempfinden und Anstrengung wählen Sie hier die Dicke. Wer schnell fährt oder viel in Steigungen unterwegs ist, braucht weniger Isolierung als jemand, der gemütlich zur Arbeit pendelt.
Für die Beine gibt es thermische Radhosen oder lange Unterhosen, die Sie unter einer normalen Radhose tragen. Auch hier gilt: Das Material muss Feuchtigkeit ableiten und darf nicht aus Baumwolle bestehen. Eine gut sitzende zweite Schicht liegt eng am Körper an, ohne die Bewegungsfreiheit beim Treten einzuschränken.
Die dritte Schicht: Wind und Regen
Die äußere Schicht schützt vor Wind und Niederschlag. Eine winddichte und wasserabweisende Radjacke hält den Fahrtwind ab, der sonst die darunterliegenden Schichten auskühlt. Achten Sie darauf, dass die Jacke gleichzeitig atmungsaktiv bleibt. Eine reine Regenjacke aus dichtem Material staut die Wärme und lässt Sie von innen nass werden. Das kühlt genauso aus wie Regen von außen.
Viele Winterjacken kombinieren deshalb winddichte Einsätze an der Vorderseite mit atmungsaktiven Partien am Rücken und unter den Armen. Bei Regen ziehen Sie zusätzlich eine Regenhose über die thermische Radhose. Sie sollte an den Beinen weit genug geschnitten sein, damit Sie sie über Schuhen und Überschuhen tragen können. Außerdem sollte sie Reißverschlüsse haben, damit Sie sie bei Bedarf schnell öffnen können.
Hände, Füße und Kopf schützen
An Händen und Füßen friert es zuerst, weil diese Körperteile schlechter durchblutet sind. Winter-Radhandschuhe sollten winddicht sein und eine wärmende Innenschicht haben. Bei sehr kalten Temperaturen helfen Fausthandschuhe, die die Finger zusammenhalten und so mehr Wärme speichern. Überschuhe aus Neopren oder mit winddichter Membran halten die Füße trocken und warm. Dünne Radschuhe bieten im Winter kaum Schutz.
Über den Kopf geht viel Wärme verloren. Eine dünne Mütze unter dem Helm hält den Kopf warm, ohne dass der Helm drückt. Viele Radfahrer schwören auf eine Sturmhaube oder ein dünnes Stirnband, das die Ohren bedeckt. Achten Sie bei allen Accessoires auf reflektierende Elemente. In der dunklen Jahreszeit sind Sie für andere Verkehrsteilnehmer oft erst spät sichtbar. Reflektoren an Jacke, Hose und Schuhen erhöhen die Sichtbarkeit deutlich.
Überhitzung vermeiden
Überhitzung ist im Winter ein echtes Problem, besonders bei Temperaturen um 5 Grad Celsius. Wer sich zu warm anzieht, schwitzt stark. Sobald die Fahrt langsamer wird oder eine Abfahrt beginnt, kühlt der nasse Körper schnell aus. Die Kunst liegt darin, sich so anzuziehen, dass Ihnen in den ersten Minuten leicht kühl ist. Nach zehn Minuten Fahrt hat sich die Körpertemperatur eingependelt, und Sie fühlen sich wohl.
Unterwegs steuern Sie die Temperatur über die Reißverschlüsse: Jacke und Trikot öffnen, um überschüssige Wärme abzugeben, schließen, sobald es kühler wird. Bei längeren Touren lohnt es sich, eine dünne Zwischenschicht in der Trikottasche mitzunehmen. Sie können sie bei Bedarf an- oder ablegen. Beobachten Sie, wie Ihr Körper auf verschiedene Temperaturen und Intensitäten reagiert, und passen Sie die Schichten entsprechend an. Besser eine Schicht zu wenig als eine zu viel. Nachfrieren können Sie nicht, aber eine Jacke lässt sich jederzeit öffnen.