Fahrradjacke bei Regen und Wind
Im Regen muss eine Fahrradjacke zwei Dinge gleichzeitig können: Wasser abhalten und Schweiß nach außen lassen. Dazu kommen Sichtbarkeit im Straßenverkehr und das Packmaß. Die wichtigste Kennzahl ist die Wassersäule. Sie zeigt, bei welchem Wasserdruck ein Stoff dicht bleibt.
Nicht jede Jacke passt für jede Fahrt. Wer täglich in der Stadt zur Arbeit fährt, braucht etwas anderes als jemand, der am Wochenende lange Touren fährt.
Wassersäule: so lesen Sie den Wert
Die Wassersäule zeigt, wie viel Wasserdruck ein Stoff aushält. Ein Prüfgerät presst Wasser von außen auf den Jackenstoff, wobei der Druck je nach Prüfnorm um etwa 100 oder 600 Millimeter pro Minute steigt. Gemessen wird, bei welchem Druck die ersten drei Wassertropfen durch den Stoff dringen; die gemessene Höhe in Millimetern steht auf dem Etikett.
Für Fahrradfahrer gelten klare Richtwerte: Eine Wassersäule von 10.000 Millimetern hält auch anhaltendem Regen stand und reicht für die meisten Fahrten. 20.000 Millimeter bieten mehr Reserve, etwa wenn ein schwerer Rucksack auf der Jacke drückt oder Sie viele Stunden im Regen fahren. Wer billig einkauft oder eine Jacke mit weniger als 10.000 Millimetern wählt, riskiert, dass Schultern und Arme schneller nass werden oder der Stoff nach längeren Fahrten Wasser durchlässt.
Die Angabe zeigt nicht die Schwachstellen. Taschenbezüge, Reißverschlüsse und Nähte lassen Wasser ein. Eine gute Regenjacke hat versiegelte Nähte und eine Regenleiste über dem Frontreißverschluss. Auch die Angabe "wasserdicht" bezieht sich nur auf das Material, nicht auf diese Details.
Atmungsaktivität: Schweiß muss raus
Die Atmungsaktivität einer Regenjacke gibt an, wie viel Wasserdampf der Stoff von innen nach außen durchlässt. Dichte Membranen halten Regen ab, können aber auch den Schweiß einschließen. Wer mit so einer Jacke kräftig in die Pedale tritt, wird innen durch Schweiß nass, obwohl außen kein Regen fällt. Das liegt an der dichten Membran: Sie lässt Feuchtigkeit von innen genauso wenig durch wie Regen von außen.
Achten Sie beim Kauf auf eine Membran, die zwei Dinge gleichzeitig kann: Regen abhalten und Wasserdampf aus dem Schweiß nach außen lassen. Außerdem helfen Belüftungsöffnungen unter den Armen. Ziehen Sie den Reißverschluss auf, um an langen Anstiegen abzukühlen, ohne den Regenschutz zu verlieren. Einfachere Modelle haben manchmal nur fein geschlitzte Mesh-Einsätze.
Grundregel: Eine hohe Wassersäule schützt nur, wenn die Atmungsaktivität zu Ihrer Fahrweise passt. Ist die Jacke sehr dicht, staut sich bei trockenem Wetter schnell Wärme, und Sie schwitzen von innen.
Windschutz gehört dazu
Bläst der Wind durch die Jacke, kühlt der Körper schnell aus, besonders auf langen Abfahrten. Eine gut sitzende Regenjacke hält den Wind ab und ist gleichzeitig wasserdicht. Die meisten Membranjacken übernehmen beide Aufgaben: Die Membran blockiert den Luftzug und lässt trotzdem Feuchtigkeit von innen nach außen.
Kontrollieren Sie die Jacke an den Abschlüssen: an den Ärmelenden, im Bund und am Kragen. Zieht dort Wind durch, leidet auch der Schutz der Kapuze. Jacken, die nicht fürs Rad gedacht sind, haben oft Kapuzen, die bei Fahrtwind verwehen. Eine radtaugliche Kapuze deckt den Helm ab und schließt im Nacken eng ab, damit kein Wind hineinfährt; dazu kommen ein gut sitzender Kragen und elastische Abschlüsse an den Armen.
Sichtbarkeit bei Regen und Dunkelheit
Eine Regenjacke allein macht Sie nicht sichtbar. Sie tragen sie vor allem morgens und abends, wenn das Licht schlecht ist. Wählen Sie deshalb ein Modell mit hellen oder signalfarbenen Einsätzen (Gelb, Orange) oder mit reflektierenden Streifen. Reflektoren werfen den Schein der Autoscheinwerfer zurück.
Reflektoren helfen aber nur, wenn Licht darauf fällt. Auf Straßen ohne Laternen sehen Autofahrer die Reflektoren nicht. Verlassen Sie sich dann nicht allein auf die Jacke und bringen Sie zusätzlich Licht an. An einem trüben Regentag ist eine hellgelbe Jacke deutlich besser sichtbar als eine dunkelblaue.
Das Packmaß entscheidet über den Alltag
Das Packmaß beschreibt, wie klein sich die Jacke zusammenlegen lässt. Eine sperrige Regenjacke ist für Pendler unpraktisch, die sie morgens verstauen und abends wieder anziehen. Viele Jacken lassen sich in eine eigene Tasche packen und zu einem kleinen Päckchen zusammenziehen. Solche Päckchen passen in eine Fahrradtasche oder einen Rucksack.
Für sportliche Fahrer zählt das kleine Packmaß noch mehr: Die Jacke kommt bei Regen an und wird wieder abgelegt, sobald das Wetter wechselt. Beim Kauf sollten Sie deshalb Gewicht und Packgröße zusammen prüfen. Ein leichtes Modell, das sich klein zusammenlegen lässt, ist für wechselhaftes Wetter besser geeignet als ein schweres.
Pendler und Sportfahrer brauchen unterschiedliche Jacken
Für Pendler zählt vor allem der Schutz im Alltag: Fahren Sie mit normaler Kleidung, brauchen Sie eine Regenjacke, die Sie darüber ziehen. Achten Sie darauf, dass das Modell über den Hosenbund reicht, sich schnell an- und ausziehen lässt und Sie auch auf längeren Fahrten nicht ins Schwitzen bringt. Viele Pendlerjacken haben eine Kapuze, die über den Helm passt.
Für sportliche Fahrten, lange Touren oder Gravel-Ausfahrten zählen eine bewegungsfreundliche Passform, Ärmel, die nicht einschränken, und eine hohe Atmungsaktivität. Wer auf der Fahrt schnell schwitzt, sollte keine zu dichte Jacke wählen: Die Wärme staut sich, und die Kleidung darunter wird feucht, sobald Sie das Tempo drosseln oder eine Pause machen.
Wählen Sie die Jacke passend zu den Fahrten, die Sie tatsächlich machen, denn eine einzige Jacke für alle Zwecke ist selten ideal. Bei kurzen Wegen und Übergangsregen reicht ein leichtes Modell, das Sie schnell öffnen können. Für lange Touren brauchen Sie dafür mehr Atmungsaktivität und einen besseren Sitz.