Categories
Radbekleidung

Fahrradhandschuhe fuer Winter und Regen

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt oder bei Dauerregen sind die Hände der empfindlichste Teil der Fahrradausrüstung. Kalte Finger werden steif, verlieren Kraft und reagieren langsamer an Bremshebel und Schaltung. Nasse Hände kühlen aus und reiben bei längerer Fahrt wund. Fahrradhandschuhe für Winter und Regen müssen deshalb drei Aufgaben gleichzeitig erfüllen: isolieren, Wasser abhalten und genug Gefühl für Lenker und Bedienelemente lassen.

Schichten für Wärme

Die Wärmeleistung eines Handschuhs hängt weniger von der Dicke ab als von der Konstruktion. Gute Winterhandschuhe arbeiten mit mehreren Schichten: Eine äußere Lage schützt vor Wind und Nässe, eine mittlere Isolationsschicht speichert Körperwärme, und ein Innenfutter liegt weich auf der Haut. Je nach Modell werden Materialien wie Wolle, Fleece oder synthetische Fasern verwendet. Wolle hat den Vorteil, dass sie auch bei Feuchtigkeit noch wärmt, während manche Kunstfasern schneller auskühlen, sobald sie nass werden.

Für die Praxis bedeutet das: Wählen Sie die Dicke nicht nach der Außentemperatur allein, sondern auch nach Ihrer Fahrgeschwindigkeit und Anstrengung. Wer zügig fährt und dabei viel Wärme produziert, kommt mit einem dünneren Handschuh aus als jemand, der gemütlich zur Arbeit rollt. Ein guter Anhaltspunkt ist der geplante Einsatzbereich: Kurze Fahrten in der Stadt erfordern weniger Isolation als lange Touren bei Gegenwind. Wenn Sie zwischen zwei Größen oder Stärken schwanken, entscheiden Sie sich für das wärmere Modell, denn kalte Hände lassen sich unterwegs nur schwer wieder aufwärmen.

Wasserdicht oder wasserabweisend

Bei Regen entscheidet die Membran oder Beschichtung darüber, ob Ihre Hände trocken bleiben. Wasserdichte Handschuhe haben in der Regel eine eingearbeitete Membran, die Feuchtigkeit von außen abhält, aber Schweiß von innen nach außen transportieren soll. Wasserabweisende Modelle ohne Membran schützen nur bei leichtem Nieselregen oder kurzen Schauern. Für längere Fahrten im Dauerregen lohnt sich ein Handschuh mit Membran, auch wenn diese Konstruktion die Finger etwas steifer macht.

Ein wichtiger Punkt ist die Länge der Stulpe. Handschuhe mit kurzem Bund lassen an der Handgelenksöffnung Wasser eindringen, besonders wenn es von oben auf den Lenker regnet. Eine längere Stulpe, die über die Jackenmanschette greift, hält Regen und Spritzwasser besser ab. Achten Sie außerdem auf die Nähte: Wenn die Nähte nicht versiegelt oder verklebt sind, dringt dort Feuchtigkeit ein, auch wenn das Obermaterial wasserdicht ist. Das gilt besonders für die Fingerzwischenräume, die beim Greifen des Lenkers stark beansprucht werden.

Griffgefühl und Kontrolle

Ein dicker, stark gepolsterter Handschuh wärmt gut, nimmt Ihnen aber das feine Gefühl für Bremshebel und Schaltung. Gerade bei Nässe und Kälte brauchen Sie jedoch präzise Kontrolle, um sicher zu reagieren. Gute Winterhandschuhe lösen diesen Konflikt durch eine griffige Innenhandfläche aus Silikon, Kunstleder oder einer rutschfesten Beschichtung. Diese Materialien sorgen dafür, dass die Hand auch bei Regen nicht am Lenker verrutscht.

Die Passform spielt dabei eine größere Rolle als oft angenommen. Ein Handschuh, der zu groß ist, bildet Falten, die beim Greifen drücken und das Gefühl trüben. Ein zu enger Handschuh schränkt die Durchblutung ein, wodurch die Finger schneller auskühlen. Probieren Sie Handschuhe deshalb immer mit der Bewegung, die Sie beim Fahren ausführen: Greifen Sie den Lenker, betätigen Sie die Bremshebel und schalten Sie durch. Wenn Sie dabei keine Druckstellen spüren und die Finger sich frei bewegen lassen, passt der Schnitt.

Touchscreen-Bedienung

Viele Winterhandschuhe haben an Daumen und Zeigefinger leitfähige Einsätze, die das Bedienen von Smartphones und Fahrradcomputern ermöglichen. Die Einsätze bestehen aus feinen Metallfasern oder einer leitfähigen Beschichtung, die den Strom Ihrer Finger auf den Bildschirm übertragen. Die Touchscreen-Bedienung funktioniert zuverlässig, solange die Kontaktfläche trocken ist. Bei Regen oder wenn die Handschuhe durchgeschwitzt sind, reagieren viele Touchscreens nicht mehr zuverlässig.

Wenn Sie regelmäßig unterwegs navigieren oder Anrufe entgegennehmen, testen Sie die Touchscreen-Funktion vor dem Kauf mit Ihrem eigenen Gerät. Die Qualität der Einsätze unterscheidet sich stark zwischen den Modellen. Manche Handschuhe haben nur eine kleine Fläche an der Fingerkuppe, andere bedecken den gesamten Zeigefinger. Für die Bedienung von kleinen Tasten oder präzisen Eingaben ist eine größere Kontaktfläche praktischer. Bedenken Sie, dass die Touchscreen-Funktion bei sehr dicken Handschuhen oft schwächer ausfällt, weil der Abstand zwischen Finger und Bildschirm größer ist.

Polsterung für Handballen und Daumen

Die Polsterung in Fahrradhandschuhen dämpft Stöße und Druck, die beim Fahren auf unebenem Untergrund auf die Handballen wirken. Bei langen Fahrten oder auf Kopfsteinpflaster spüren Sie den Unterschied deutlich. Die meisten Modelle haben dafür Gel- oder Schaumstoffpolster an der Handinnenfläche, manche zusätzlich eine Verstärkung am Daumen, wo der Druck beim Greifen des Lenkers am höchsten ist.

Wichtig ist, dass die Polsterung nicht die gesamte Handfläche bedeckt, sondern gezielt an den Stellen sitzt, die beim Fahren belastet werden. Eine zu dicke Polsterung kann das Griffgefühl beeinträchtigen und bei längerem Fahren Druckstellen verursachen. Wenn Sie viel auf schlechten Wegen unterwegs sind, achten Sie auf Modelle mit einer etwas festeren Dämpfung. Wer hauptsächlich auf glattem Asphalt fährt, kommt mit einer leichteren Polsterung aus. Die Polsterung ersetzt keine ergonomisch sinnvolle Handhaltung, sie reduziert lediglich die Stoßbelastung.

Reflektoren für Sichtbarkeit

Im Winter sind die Tage kurz, und viele Fahrten finden bei Dämmerung oder Dunkelheit statt. Reflektierende Elemente an den Handschuhen erhöhen Ihre Sichtbarkeit, weil sie das Licht von Autoscheinwerfern zurückwerfen. Die Reflektoren sitzen meist auf dem Handrücken, an den Fingergelenken oder an der Stulpe. Gerade beim Abbiegen, wenn Sie die Hand vom Lenker nehmen, sind die reflektierenden Flächen auf dem Handrücken für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbar.

Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Reflektoren groß genug sind und an den Stellen sitzen, die bei der typischen Fahrhaltung nach außen zeigen. Kleine, dekorative Reflexpunkte haben wenig Wirkung. Zusätzlich zu den Reflektoren am Handschuh sollten Sie auch an anderen Stellen Ihrer Kleidung für Sichtbarkeit sorgen, etwa mit einer Warnweste oder reflektierenden Elementen an Jacke und Helm. Die Handschuhe allein reichen nicht aus, um im Straßenverkehr zuverlässig gesehen zu werden.

Handschuhe richtig pflegen

Die richtige Pflege entscheidet darüber, wie lange Ihre Winterhandschuhe warm und wasserdicht bleiben. Nach jeder Fahrt sollten Sie die Handschuhe bei Raumtemperatur trocknen lassen, nicht auf der Heizung oder im Trockner. Zu schnelles Trocknen macht das Material spröde und kann die Membran beschädigen. Wenn die Handschuhe nass geworden sind, stopfen Sie sie locker mit Zeitungspapier aus, damit sie ihre Form behalten und von innen trocknen.

Die Reinigung hängt vom Material ab. Viele Modelle lassen sich in der Maschine waschen, aber nur im Schonprogramm und mit einem milden Waschmittel. Weichspüler sollten Sie vermeiden, weil er die Membran und die leitfähigen Einsätze angreifen kann. Prüfen Sie vor dem Waschen immer das Pflegeetikett. Nach mehreren Wäschen oder nach einer nassen Saison kann die Imprägnierung nachlassen. Mit einem Imprägnierspray für Funktionskleidung stellen Sie die Wasserabweisung wieder her. Sprühen Sie das Mittel auf das saubere, trockene Obermaterial und lassen Sie es vollständig einziehen, bevor Sie die Handschuhe wieder tragen.