Die richtige Radjacke für Wind und Wetter
Wer bei Wind und Regen Rad fährt, braucht eine Jacke, die Regen abhält und trotzdem nicht zum Schwitzen bringt. Eine Wassersäule von 3.000 Millimetern gilt als wasserdicht, doch dieser Wert sagt wenig darüber aus, ob die Jacke in der Praxis trocken hält. Die Schwachstellen liegen woanders.
Warum die Wassersäule allein nicht reicht
Die Wassersäule gibt an, wie viel Wasserdruck ein Stoff aushält, bevor er durchlässig wird. Ein hoher Wert klingt beeindruckend, doch Tests zeigen, dass die tatsächliche Schutzwirkung oft viel geringer ist. Die Schweizer Zeitschrift Saldo hat Outdoorjacken im Labor unter Dauerregen getestet. Die meisten Modelle hielten nur wenige Minuten dicht. Besonders deutlich wurde das bei der H&M Storm Move Jacke für 149 Euro: Sie hat eine Wassersäule von 24.000 Millimetern, versagte aber im Test nach etwa fünf Minuten. Nach fünf Wäschen hielt sie dem Regen nur noch eine Minute stand.
Der Grund liegt nicht im Stoff, sondern in der Verarbeitung. Beim Nähen durchsticht die Nadel die Membran. Wenn die Naht nicht sorgfältig abgeklebt wird, dringt an dieser Stelle Wasser ein. Eine hohe Wassersäule nutzt wenig, wenn die Nähte undicht sind. Achten Sie beim Kauf deshalb auf vollständig getapte Nähte. Das heißt, die Innenseiten aller Nähte müssen mit einem Klebeband abgedeckt sein. Das ist der wichtigste Qualitätsunterschied zwischen einer Regenjacke und einer Jacke, die nur so aussieht wie eine.
Was Radjacken von Wanderjacken unterscheidet
Die Testergebnisse von Saldo beziehen sich auf Wanderjacken. Auf Radjacken lassen sie sich nur begrenzt übertragen. Radfahren stellt andere Anforderungen an eine Jacke als Wandern. Genau hier liegen die entscheidenden Kaufkriterien.
Der wichtigste Unterschied ist der Schnitt. In der Rennposition, mit vorgebeugtem Oberkörper, braucht die Jacke mehr Länge am Rücken, damit sie nicht hochrutscht. Die Ärmel müssen im vorgebeugten Arm lang genug sein. Der Kragen sollte hoch genug sitzen, um den Nacken vor Fahrtwind zu schützen. Eine Wanderjacke ist meist gerade geschnitten und passt in der Radposition nicht richtig.
Dazu kommt die Belüftung. Beim Radfahren erzeugt der Fahrtwind einen Kühleffekt, aber bei Anstrengung produziert der Körper Wärme und Feuchtigkeit. Eine gute Radjacke hat darum Belüftungsöffnungen, meist Reißverschlüsse unter den Achseln. Sie lassen sich im Fahren öffnen, ohne dass Regen eindringt. Ohne diese Öffnungen sammelt sich der Schweiß unter der Jacke, und Sie kühlen aus, sobald Sie langsamer fahren.
Der Saldo-Test bestätigte immerhin, dass alle geprüften Jacken zuverlässig vor Wind schützten. Das ist ein gutes Zeichen, denn Windschutz ist die halbe Miete. Eine winddichte Schicht hält die Körperwärme, und darunter reicht oft ein dünnes Funktionsshirt aus.
Membran oder Beschichtung
Bei Regenjacken gibt es zwei grundlegende Konstruktionsarten. Membranjacken haben eine dünne Schicht aus Kunststoff im Inneren des Stoffes. Durch winzige Poren lässt sie Feuchtigkeit nach außen, während Wassertropfen von außen nicht eindringen. Bekannte Beispiele sind Gore-Tex und ähnliche Materialien. Diese Jacken sind langlebig und bleiben auch nach vielen Wäschen dicht, solange die Pflegehinweise stimmen.
Beschichtete Jacken haben stattdessen eine aufgetragene Schicht auf der Innenseite des Gewebes. Sie sind günstiger und anfangs oft genauso dicht, verlieren aber mit der Zeit ihre Wirkung. Die Beschichtung nutzt ab, besonders wenn die Jacke häufig gewaschen oder stark geknittert wird. Der Test der H&M Jacke zeigt genau diesen Effekt: Nach fünf Wäschen ließ die Dichtigkeit massiv nach.
Für regelmäßige Radfahrer lohnt sich eine Membranjacke, auch wenn sie mehr kostet. Wer nur gelegentlich bei Schauern unterwegs ist, kommt mit einer beschichteten Jacke deutlich günstiger weg und kann sie nach ein paar Saisons ersetzen.
Praktische Ausstattung für den Radalltag
Neben Schnitt und Material gibt es Ausstattungsmerkmale, die eine Radjacke im Alltag nützlich oder unpraktisch machen. Achten Sie auf Reflexelemente, gerade wenn Sie auch in der Dämmerung fahren. Viele Modelle haben reflektierende Einsätze an Ärmeln, Rücken und Schultern. Sie werfen das Rücklicht und den Scheinwerfer der Autos zurück. Diese Einsätze sind ein Sicherheitsmerkmal, das bei trübem Herbstwetter entscheidend sein kann.
Auch das Packmaß spielt eine Rolle. Eine Radjacke, die sich in ihre eigene Tasche verstauen lässt, findet Platz in der Trikottasche. Sie können sie bei aufklarendem Wetter verstauen, statt sie am Körper zu tragen. Praktisch sind außerdem ein verlängerter Rücken, ein winddichter Frontreißverschluss und verstellbare Bündchen, damit kein Wasser in die Ärmel läuft.
Wenn Sie mit Gepäck fahren, braucht die Jacke eventuell eine etwas großzügigere Passform, damit sie über mehreren Schichten oder dem Rucksackträger noch bequem sitzt. Probieren Sie die Jacke am besten mit der Kleidung an, die Sie darunter tragen wollen, nicht über einem dünnen T-Shirt.
Die richtige Größe und Passform
Eine Radjacke soll eng anliegen, aber nicht einschnüren. Wenn sie zu weit ist, flattert sie im Fahrtwind und lässt kalte Luft eindringen. Wenn sie zu eng ist, schränkt sie die Armbewegung ein und presst die Schichten darunter zusammen, was die Isolation ruiniert.
Achten Sie darauf, dass sich die Ärmel nicht hochschieben, wenn Sie den Lenker greifen, und dass der Rücken lang genug ist, wenn Sie sich nach vorne beugen. Die meisten Hersteller von Radbekleidung schneidern ihre Jacken auf diese Position zu. Wenn Sie zwischen zwei Größen stehen, wählen Sie die größere, denn die Bewegungsfreiheit ist beim Fahren wichtiger als perfekte Körpernähe.