Die richtige Fahrradkleidung für den Arbeitsweg
Sie fahren mit dem Rad zur Arbeit und fragen sich täglich: Was ziehen Sie an, damit Sie nicht schwitzen, nicht frieren, trocken ankommen und im Dunkeln gesehen werden? Die Antwort ist einfacher als gedacht: Sie brauchen keine Spezialausrüstung für Profis. Ein durchdachtes System aus wenigen Teilen reicht, das zu Strecke, Tempo und Wetter passt. Der wichtigste Grundsatz: Kleiden Sie sich für die Bewegung, nicht für das Stehen an der Haltestelle. Wer zügig fährt, produziert selbst Wärme; darauf müssen Sie Ihre Kleidung abstimmen.
Sichtbarkeit im Dunkeln
In der dunklen Jahreszeit entscheidet Ihre Sichtbarkeit, ob andere Verkehrsteilnehmer Sie rechtzeitig sehen. Helle Kleidung allein reicht nicht, denn sie leuchtet nicht; reflektierende Materialien werfen das Licht entgegenkommender Autos zurück und machen Sie aus großer Distanz erkennbar. Achten Sie beim Kauf von Jacken, Westen oder Rucksäcken auf reflektierende Elemente an Armen, Beinen und Rücken. Diese Stellen bewegen sich beim Treten und fallen dadurch besonders auf.
Ihr Fahrrad muss ebenfalls den Vorgaben der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) entsprechen. Dazu gehören ein weißer Frontscheinwerfer, ein rotes Rücklicht, ein roter Rückstrahler und gelbe Pedalreflektoren. Prüfen Sie vor jeder Fahrt, ob die Lichter funktionieren und die Batterien oder Akkus geladen sind. Eine defekte Lampe ist nicht nur gefährlich, sondern kann mit einem Bußgeld enden. Zusätzlich zur vorgeschriebenen Beleuchtung hilft eine Warnweste in Neonfarbe, gerade bei Regen oder Nebel, wenn die Sicht ohnehin eingeschränkt ist.
Das Zwiebelprinzip für wechselhaftes Wetter
Am zuverlässigsten schützt das Zwiebelprinzip gegen wechselnde Temperaturen: mehrere dünne Schichten übereinander statt einer dicken Jacke. Jede Schicht hat eine eigene Aufgabe. Die unterste transportiert Schweiß von der Haut weg, die mittlere isoliert und hält Wärme. Wind und Regen hält die oberste Schicht ab.
Für die unterste Schicht eignen sich Materialien wie Merinowolle oder Kunstfasern, die Feuchtigkeit nach außen leiten. Baumwolle ist hier die falsche Wahl, denn sie saugt sich mit Schweiß voll, klebt auf der Haut und kühlt den Körper aus, sobald Sie langsamer fahren oder anhalten. Die mittlere Schicht kann ein dünnes Fleece oder ein Langarm-Shirt aus Funktionsmaterial sein. Je nach Temperatur variieren Sie die Dicke dieser Schicht. Die oberste Schicht ist eine wind- und wasserabweisende Jacke, die Sie bei Regen überziehen und bei trockenem Wetter in den Rucksack packen.
Morgens ist es kühl, Sie starten mit allen Schichten. Nach zehn Minuten Fahrt wird Ihnen warm. Dann öffnen Sie den Reißverschluss der Jacke oder ziehen eine Schicht aus. Auf dem Rückweg am Nachmittag ist es wärmer, Sie fahren mit weniger Kleidung. Wichtig ist, dass Sie jede Schicht schnell an- und ablegen können. Eine Jacke mit Reißverschluss und Belüftungsöffnungen unter den Armen hilft, die Temperatur während der Fahrt zu regulieren, ohne anzuhalten.
Materialien für die drei Schichten
Die Wahl des Materials entscheidet darüber, ob Sie nass und auskühlen oder trocken und warm ankommen. Funktionsunterwäsche aus Polyester oder Merinowolle leitet Schweiß ab und trocknet schnell. Merinowolle riecht auch nach mehreren Tagen nicht unangenehm. Das ist praktisch, wenn Sie die Kleidung auf der Arbeit nicht waschen können. Reine Kunstfaser ist günstiger und trocknet ebenfalls schnell, nimmt aber schneller Gerüche auf.
Für die mittlere Schicht eignen sich Fleece oder leichte Daunenjacken. Fleece ist pflegeleicht und wärmt auch, wenn es feucht ist. Außerdem ist es günstig. Daunen sind wärmer bei geringerem Gewicht, verlieren aber ihre Isolationsfähigkeit, wenn sie nass werden. Für den Arbeitsweg, wo Sie oft mit Regen rechnen müssen, ist Fleece die robustere Wahl.
Die Außenjacke sollte winddicht und wasserabweisend sein. Eine vollständig wasserdichte Jacke mit verschweißten Nähten schützt zuverlässig vor Regen, lässt aber wenig Feuchtigkeit nach außen entweichen. Dann schwitzen Sie von innen. Eine Alternative sind Jacken mit wasserabweisender Beschichtung, die für leichten Regen reichen und besser belüften. Für starken Regen auf längerer Strecke ist eine richtige Regenjacke sinnvoll, die Sie über der normalen Kleidung tragen.
Wechselkleidung im Rucksack
Ein Rucksack mit Wechselkleidung sorgt dafür, dass der Arbeitstag angenehm bleibt, auch wenn das Wetter umschlägt oder Sie stärker schwitzen als geplant. Die Grundausstattung für die Reserve: ein trockenes T-Shirt oder Oberteil, frische Socken und ein kleines Handtuch. Mehr braucht es für die meisten Arbeitswege nicht. Wenn Sie mit dem Rad zur Arbeit fahren und dort duschen können, reicht das Wechselhemd. Wenn nicht, hilft ein Handtuch, um den Schweiß abzuwischen, bevor Sie sich umziehen.
Für die nasse Jahreszeit gehört ein Paar wasserdichte Überschuhe oder zumindest ein Paar trockene Socken in den Rucksack. Nasse Füße sind auf dem Arbeitsweg nicht nur unangenehm, sondern führen schnell zu kalten Füßen und damit zu Frösteln am Schreibtisch. Eine kleine wasserdichte Hülle für den Rucksack schützt die Wechselkleidung, wenn es regnet. Alternativ packen Sie die Kleidung in einen separaten Beutel aus Plastik oder wasserdichtem Stoff im Rucksack.
Denken Sie auch an die Hände. Handschuhe sind im Herbst und Winter Pflicht, denn die Hände sind beim Radfahren der Kälte direkt ausgesetzt und kühlen schnell aus. Ein Paar dünne Handschuhe aus Fleece oder mit winddichter Membran passt in jede Jackentasche und ist schnell übergezogen.
Komfort auf dem Arbeitsweg
Komfort beginnt bei der Passform. Fahrradkleidung sollte eng anliegen, aber nicht einschnüren. Weite Kleidung flattert im Wind, bremst und kann sich in den Speichen oder der Kette verfangen. Gleichzeitig brauchen Sie Bewegungsfreiheit für die Beine und Arme. Eine Hose mit etwas Stretch oder eine Radhose mit Polsterung macht längere Strecken angenehmer, ist aber für kurze Wege bis etwa fünf Kilometer nicht nötig. Normale Alltagskleidung funktioniert dort genauso gut, solange sie nicht zu eng ist.
Normale Straßenschuhe werden auf dem Pedal schnell schmutzig und bei Regen nass. Wasserdichte Schuhe oder einfache Überschuhe aus Neopren halten die Füße trocken. Für den Arbeitsweg, an dem Sie keine Radschuhe mit Klemmmechanismus tragen möchten, sind flache Schuhe mit griffiger Sohle die praktische Wahl. Sie stehen sicher auf dem Pedal und sind gleichzeitig im Büro tragbar.
Eine Kapuze an der Jacke hilft unter dem Helm meist wenig, weil sie verrutscht und die Sicht einschränkt. Besser ist eine Jacke mit festem Kragen, der den Nacken schützt. Wenn Sie einen Helm tragen, achten Sie darauf, dass die Jacke keine Kapuze hat, die unter dem Helm stört. Eine Regenhose aus dünnem Nylon lässt sich über der normalen Hose tragen und in einer kleinen Tasche verstauen.