Im Herbst und Winter fahren Radfahrer oft im Dunkeln, bei Regen oder Nebel. Autofahrer sehen sie dann zu spät, und das führt zu gefährlichen Situationen. In Großbritannien sind Fußgänger oder Radfahrer an etwa jedem dritten Verkehrsunfall beteiligt. Eine häufige Ursache ist, dass sie zu spät gesehen werden.
Mit der richtigen Kleidung lässt sich die Sichtbarkeit deutlich verbessern. Drei Mittel stehen im Mittelpunkt: Signalfarben für den Tag, Reflektoren für die Dunkelheit und Leuchtstreifen als zusätzliche Hilfe. Keines davon ist ein Allheilmittel, aber jedes hat seinen Platz.
Signalfarben bei Tag
Fluoreszierende Materialien in Gelb, Rot und Orange verbessern die Sichtbarkeit bei Tageslicht nachweislich. Eine Auswertung von 42 Studien kommt zu diesem Ergebnis. Die Farben leuchten stärker als normale Kleidung, weil sie UV-Strahlung in sichtbares Licht umwandeln. Dadurch heben Sie sich auch von einem grauen oder grünen Hintergrund ab, etwa von Bäumen, Zäunen oder Asphalt.
Die Studien haben nur die Sichtbarkeit gemessen, nicht die Zahl der Unfälle. Ob Signalfarben tatsächlich Unfälle verhindern, ist nicht belegt. Trotzdem ist es plausibel, dass Autofahrer einen Radfahrer, den sie früher erkennen, seltener übersehen. Für die Praxis heißt das: Wenn Sie bei Tag fahren, wählen Sie eine Jacke oder Weste in Gelb, Orange oder Rot. Diese Farben funktionieren besonders gut in der Dämmerung und bei bedecktem Himmel, wenn die Kontraste ohnehin gering sind.
Reflektoren in der Dunkelheit
Wenn es dunkel ist, helfen Signalfarben allein nicht mehr. Fluoreszierende Materialien brauchen Tageslicht, um zu leuchten. In der Nacht übernehmen Reflektoren diese Aufgabe. Sie werfen das Licht von Autoscheinwerfern direkt zurück zur Quelle. Ein Autofahrer sieht den reflektierenden Punkt also genau dann, wenn er den Radfahrer mit dem Abblendlicht anstrahlt.
Reflektierende Elemente können Sie an der Kleidung tragen, etwa als Weste, als Streifen an Jacke und Hose oder als Bänder an Handgelenken und Knöcheln. Besonders wirksam sind reflektierende Elemente an den beweglichen Körperteilen. Die Arme und Beine bewegen sich beim Treten. Das reflektierte Licht erzeugt eine Bewegung, die Autofahrer leichter als menschliche Bewegung erkennen. Diese Wirkung ist unter dem Begriff BioMotion bekannt, auch wenn die Forschungslage zu konkreten Unfallzahlen dünn ist.
Am Fahrrad selbst sind Reflektoren gesetzlich vorgeschrieben. Die Anforderungen stellt in Deutschland das Kraftfahrt-Bundesamt. Dazu gehören unter anderem ein weißer Reflektor nach vorne, ein roter nach hinten und gelbe Reflektoren an den Pedalen oder in den Speichen. Diese Teile sollten Sie regelmäßig prüfen, denn sie verschmutzen und verlieren dann ihre Wirkung. Ein kurzer Check mit dem Tuch vor jeder Fahrt im Dunkeln reicht.
Leuchtstreifen und ihre Grenzen
Leuchtstreifen sind eine neuere Entwicklung. Es gibt zwei Varianten: passive Streifen, die wie Reflektoren arbeiten, und aktive Streifen mit kleinen LEDs, die selbst leuchten. Passive Leuchtstreifen sind in vielen Jacken und Westen eingearbeitet und funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie Reflektoren. Aktive Leuchtstreifen, oft als Bänder oder als Teil einer Weste, leuchten dauerhaft und machen Sie auch dann sichtbar, wenn gerade kein Scheinwerfer auf Sie gerichtet ist.
Die Forschung zu Leuchtstreifen ist allerdings dünn. Es gibt keine belastbaren Studien, die zeigen, dass Leuchtstreifen die Sichtbarkeit stärker verbessern als gute Reflektoren. Aktive Leuchtstreifen brauchen Batterien oder Akkus, und die müssen Sie regelmäßig laden. Wenn der Akku leer ist, haben Sie nur noch ein Stück Stoff am Arm. Prüfen Sie also vor jeder Fahrt, ob die Leuchtstreifen tatsächlich leuchten.
Ein praktischer Vorteil aktiver Leuchtstreifen ist die Sichtbarkeit von der Seite. Reflektoren an der Kleidung wirken vor allem nach vorne und hinten, weil sie das Licht der Scheinwerfer zurückwerfen. Ein Leuchtstreifen am Arm oder am Bein leuchtet dagegen in alle Richtungen und macht Sie auch für Autofahrer sichtbar, die von der Seite kommen. Das ist besonders an Kreuzungen und Einmündungen wichtig.
Kombination für den Alltag
Sie müssen nicht alles auf einmal kaufen. Kombinieren Sie die Mittel, die zu Ihrer Fahrweise passen. Wenn Sie hauptsächlich bei Tag fahren, reicht eine Jacke in einer Signalfarbe. Wenn Sie regelmäßig im Dunkeln unterwegs sind, sollten Sie zusätzlich reflektierende Elemente tragen. Leuchtstreifen sind eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen aber weder Reflektoren noch eine funktionierende Fahrradbeleuchtung.
Achten Sie beim Kauf auf die Verarbeitung. Reflektierende Streifen verlieren mit der Zeit ihre Wirkung, besonders wenn sie häufig gewaschen werden. Prüfen Sie ab und zu, ob die Streifen noch glänzen und nicht abgeblättert sind. Bei Regenjacken ist die Sichtbarkeit besonders wichtig, weil Autofahrer bei Nässe ohnehin schlechter sehen und der Bremsweg länger wird.
Bei der Kleidungsschichtung sollte die Sichtbarkeit nicht auf Kosten des Komforts gehen. Wenn Sie im Dunkeln fahren, tragen Sie am besten eine dünne, reflektierende Weste über Ihrer normalen Kleidung. So können Sie die Weste bei wärmerem Wetter ablegen und bei Kälte eine dickere Jacke darunter tragen. Eine Weste ist außerdem günstiger als eine komplette Jacke mit Reflektoren und lässt sich leichter waschen.